Der Mensch nimmt Nitrat hauptsächlich über den Verzehr von Frischgemüse auf, aber auch über das Trinkwasser, Getreide, und Obst. Bestimmten Fleisch-, Käse- und Fischprodukten darf Nitrat als zugelassener Lebensmittelzusatzstoff zugesetzt werden.

Verschiedene Gemüsesorten wie z.B. Kopfsalat, Spinat, Rote Bete, Radieschen und Rettich reichern je nach Jahreszeit und Anbaugebiet auffallend hohe Gehalte an Nitrat an.

Besonders Rucola und z.T. auch Feldsalat speichern im Wachstum mehr Nitrat als andere Salatarten und weisen deshalb zum Erntezeitpunkt in der Regel höhere Nitratwerte auf.


Ebenso hat die Düngung des Bodens einen großen Einfluss auf den Nitratgehalt.

Eine intensive landwirtschaftliche Düngung kann zu höheren Nitratgehalten in Grundwasser und Boden und somit zur Anreicherung in der Pflanze führen.

Nitrat wird bei der Verdauung in Nitrit umgewandelt, das den Sauerstofftransport im Blut behindern und bei Babys zu der lebensbedrohlichen Blausucht führen kann. Zu dieser Gefahr kommt hinzu, dass Nitrit im Magen mit Eiweißen zu Krebs erregenden Nitrosaminen reagieren kann.


Nitrat ist eine Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff.

Es ist ein natürlicher Bestandteil des Erdbodens und dient Pflanzen als Nährstoff zur Eiweißbildung. Bei übermäßiger Verwendung nitrathaltiger Düngemittel belastet es jedoch das Grundwasser und reichert sich in pflanzlichen Nahrungsmitteln an.

Über Trinkwasser und pflanzliche Lebensmittel gelangt Nitrat in den menschlichen Körper. Eine weitere Quelle für Nitrat ist die Lebensmittelverarbeitung: Als Pökelsalz findet es Verwendung bei der Herstellung von gepökelten Fleischerzeugnissen.

Nitrat selbst ist in hoher Dosierung schädlich. Es kann jedoch im Nahrungsmittel oder im Körper über Nitrit in Nitrosamine umgewandelt werden. Diese besitzen gesundheitsschädigende Wirkungen.


Der Nitratgehalt in Pflanzen ist nicht nur von der Düngung sondern auch von der Pflanzenart und den Wachstumsbedingungen abhängig.

Nitratanreicherende Gemüsearten sind Blattsalat, Rettich, Radieschen, Rote Bete und Spinat.

Der Erntezeitpunkt hat einen Einfluss. Morgens geerntete Gemüse weisen einen höheren Nitratgehalt auf als nachmittags geerntete.

Nitrat selber ist die Vorstufe des gesundheitsschädigenden Nitrits.

Nitrat kann von einigen Bakterien in Nitrit umgewandelt werden.

So kann Nitrat sowohl im Boden, im Lebensmittel und auch im Körper des Menschen zu Nitrit reduziert werden.

Nitrit selber ist giftig und an der Bildung der krebserregenden Nitrosamine beteiligt.


Nitrosamine gelten als krebserregend und können in Lebensmitteln durch eine chemische Reaktion aus Nitrit und sekundären Aminen gebildet werden.

Eine wichtige Vorläufersubstanz ist Nitrat, das Mikroorganismen in Nitrit umwandeln können. Sekundäre Amine sind Abbauprodukte der Eiweißbausteine, den Aminosäuren.

Mit Nitrosaminen können daher vor allem eiweißreiche Lebensmittel belastet sein, die zudem Nitrit oder Nitrat enthalten. Dies trifft auf gepökelte Fleischerzeugnisse zu. Erhitzen fördert die Bildung von Nitrosaminen. Daher wird empfohlen, Pökelerzeugnissen nicht stark zu erhitzen, also zu braten oder zu grillen.

Nitrosamine sind auch im Tabakrauch enthalten. Zudem können sie in Gummiartikeln wie zum Beispiel Luftballons und vereinzelt auch in Kosmetika enthalten sein.

Nitrat in unterschiedlichen Lebensmitteln

In den Jahren 2006 bis 2009 wurden im Lebensmittelinstitut Oldenburg verschiedene Salate, Gemüsesorten, Säuglings- und Kleinkindernahrung sowie z.T. Obst auf Nitrat untersucht. In Abbildung 1 sind die mittleren Nitratgehalte ausgewählter Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 2006 bis 2009 dargestellt.

Nitrat in Lebensmitteln

Abbildung 1: Mittlere Nitratgehalte in den untersuchten Lebensmittelproben. Es handelt sich bei der hier vorgenommenen Einteilung nicht um Absolutgehalte, sondern nur um tendenzielle Werte, da die Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung, die unterschiedlichen Düngemaßnahmen und der Erntezeitpunkt sowie die Sortenwahl die Nitratwerte beträchtlich verschieben können.

Eine detaillierte Auflistung der ausgewählten Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 2006-2009 ist der Tabelle 1 zu entnehmen.

Nitrat in Lebensmitteln

Tabelle 1

Tabelle 1: Detaillierte Auflistung der ausgewählten Nitratergebnisse in Obsterzeugnissen, Gemüse, Gemüseerzeugnissen sowie Säuglings- und Kleinkindernahrung aus den Jahren 2006 bis 2009.

Vergleichsweise hohe Nitratgehalte (Werte über 1000 mg Nitrat/kg) treten vor allem in Blatt- und Wurzelgemüse wie Rote Bete, Kopfsalat, Feldsalat, Spinat sowie Mangold auf. Besonders auffällig ist hierbei der Rucola-Salat mit Nitratgehalten von über 7000 mg Nitrat/kg. Allerdings wird Rucola aufgrund des intensiven Geschmacks häufig nur als Salatbeigabe verwendet, daher ist das Risiko einer hohen Nitratbelastung für den Menschen als relativ gering einzuschätzen.

Geringe Nitratgehalte haben z.B. Rosenkohl, Chicorée, Kartoffeln, Möhren und frischer Grünkohl. Ebenfalls als nitratarm gelten Obst und Fruchtgemüse (wie z.B. Tomaten, Paprika, Gurken, Erbsen, grüne Bohnen).

Alle Proben Säuglings- und Kleinkindernahrung lagen mit maximalen 127 mg/kg deutlich unterhalb des zulässigen EU-Höchstgehalts (200 mg/kg).

Ein Trend zu abnehmenden oder ansteigenden Gehalten über die Jahre lässt sich nicht beobachten. Ein Vergleich der Nitratwerte aus dem Jahr 2009 gegenüber den Vorjahren zeigt keine sichtbare Verbesserung der Nitratgehalte.

Empfehlungen für die Ernährung

Beim Einkauf und der Ernte können einige Schritte beachtet werden, um den Gehalt an Nitrat und die Umwandlung in Nitrit zu reduzieren. Generell gilt, dass in Freilandgemüse weniger Nitrat enthalten ist, als in Gemüse, das in Gewächshäusern herangezogen wird. Nitratreiches Gemüse sollte nicht am Morgen erntet werden, da nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht Nitrat in der Pflanze gespeichert wird und sich anreichert. Wer wenig Nitrat aufnehmen möchte, sollte deshalb auf nitratärmere Gemüsesorten ausweichen und sehr nitratreiche Gemüsesorten im Winterhalbjahr meiden. Besonders wichtig ist dies für Säuglinge und Kleinkinder. Industriell hergestellte gemüsehaltige Beikost für Kleinkinder wird auf Ihren Gehalt an Nitrat überprüft. Bei im Haushalt zubereiteten/gekochten Kindermahlzeiten ist auf sachgerechte Lagerung der Zutaten sowie der zubereiteten Mahlzeit zu achten. Kritische Gemüsesorten hinsichtlich des Nitratgehalts sollten gemieden werden.

Auch bei der Zubereitung von Speisen kann der Nitratgehalt gesenkt werden:

Salat wird gewaschen
  • Das Gemüse gründlich waschen und Stiel-, Stängelanteile, Blattrippen und äußere Hüllblätter entfernen, da diese besonders nitratreich sind
  • Nitrat ist wasserlöslich und kann deshalb zum Teil ausgewaschen werden. Nach dem Kochen sollte das heiße Wasser nicht weiter verwendet werden, weil sich das Nitrat darin befindet.
  • Nitratreiches Gemüse nicht zu lange warm halten, die Reste schnell abkühlen und im Kühlschrank aufbewahren, da sich Nitrat bei Wärme in Nitrit umwandelt.
  • Tiefgekühlten Spinat sofort nach der Entnahme aus dem Gefrierfach zubereiten und nicht erst auftauen lassen, da durch das lange Auftauen der Umwandlungsprozess von Nitrat zu Nitrit schon beginnen kann.
Quelle: Niedersächsisches LA für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Lebensmittel MAK-Wert Bezeichnung im Menü
Aprikose 60 Aprikose
Wassermelone 60 Wassermelone
Banane 200 Banane
Aubergine 300 Aubergine
Weintrauben 60 Weintrauben
Birne 60 Birne
Gemüsekräuter 2000 Gemüsekräuter
Melone  90 Melone 
Früher Kohl 900 Kohl F
Herbstweißkohl 500 Kohl H
Zucchini 400 Zucchini
Kartoffel 250 Kartoffel
Erdbeere 100 Erdbeere
Zwiebel 80 Zwiebel
Lauchzwiebel 600 Lauchzwiebel
Frühmöhre 400 Möhre F
Herbstmöhre 250 Möhre H
Nektarine 60 Nektarine
Freilandgurke 150 Gurke FL
Gewächshausgurke 400 Gurke GH
Gemüsepaprika 200 Gemüsepaprika
Pfirsich  60 Pfirsich 
Freilandtomate 150 Tomate FL
Gewächshaustomate 300 Tomate GH
Radieschen 1500 Radieschen
Rettich 1000 Rettich
Blattsalat 2000 Blattsalat
Rübe 1400 Rübe
Kaki/Sharon  60 Sharon 
Apfel 60 Apfel
MAK-Norm für Kinder 50 Kindnorm
Frischfleisch 200 Frischfleisch

Radioaktivität in Lebensmitteln?

3. Dezember 2013: Radioaktive „Wasserblase” treibt nach Kalifornien

Radioaktive Stoffe aus Fukushima sind einer französischen Studie zufolge auch durch Taifune weiter verbreitet und in den Pazifik geschwemmt worden. Ein weiteres globales Problem stellt eine Art strahlende „Wasserblase” dar, die zum Beispiel aus dem Leckwasser der Tanks des zerstörten Atomkraftwerks besteht. Im Frühjahr 2014 soll sie den gesamten Pazifik überquert und mit der Meeresströmung die Westküste der USA erreicht haben. In 15 untersuchten Blauflossen-Thunfischen der Westküste, die beispielsweise von Japan bis Südkalifornien schwimmen, sind bereits jetzt die Folgen der Katastrophe messbar: In jedem Fisch (!) waren leicht erhöhte radioaktive Rückstände aus Fukushima nachweisbar, die Werte lagen ungefähr fünfmal so hoch wie die sonst übliche Belastung (z.B. durch Atombombenversuche), Grenzwertüberschreitungen gab es nicht. Auch im Plankton zwischen Hawai und der Westküste wurde bereits mehr Radioaktivität nachgewiesen – Plankton ist der Beginn der maritimen Nahrungskette. Es bleibt zu hoffen, dass amerikanische Gesundheits- und Umweltbehörden im nächsten Jahr aktiv werden und verstärkt Kontrollen durchführen. Es wird übrigens geschätzt, dass durch Fukushima bis zu 100-mal so viel radioaktive Strahlung in die Ozeane gelangt ist, wie während der gesamten Katastrophe von Tschernobyl.

Eine Liste mit Analyseergebnissen für Lebensmittel aus Japan hält das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf seiner Internetseite zum Download bereit: Strahlenbelastung in Lebensmitteln aus Japan

8. Oktober 2013: Rückverfolgbarkeit bei Fischen überprüft

Das Wasser im Pazifik vor Fukushima wird ständig mit radioaktiven Abwässern belastet. Bei regionalen Fischen gab es bisher sehr hohe Belastungen, nicht jedoch bei Fischen, die in Deutschland im Angebot sind. Doch angesichts der Dauerkatastrophe vor Ort fragen immer mehr Verbraucher: Bei welchem Fisch muss ich langfristig vorsichtig sein? Die FAO-Fanggebiete 61 und 67 befinden sich direkt vor der Küste Fukushimas, hier heißt es langfristig wachsam bleiben. Einige Anbieter haben die Rückverfolgbarkeit transparent gemacht: Dazu gehören Frosta, Berida, Femeg und Rewe.Kunden können anhand eines Tracking-Codes auf der Verpackung im Internet ausführliche Informationen zur Herkunft der Fische einsehen. Lachs oder Garnelen aus Aquakulturen von Followfisch oder Iglo bieten auf der Verpackung ebenfalls Rückverfolgungssysteme. Das ergab unser Marktcheck Ende September in Hamburgs Supermärkten. Für konkrete Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Greenpeace hat dazu auch eine ausführliche Studie ins Internet gestellt.

3. September 2013: Atomruine strahlt weiter

Die Betreiberfirma Tepco bekommt die Probleme mit den Lecks von Tanks oder Verbindungsleitungen nicht in den Griff. Tepco war wegen seines ungenügenden Krisenmanagements schon häufiger in die Kritik geraten. Immer noch gelangt radioaktives Wasser in die Umwelt oder es sickert ins Meer. Die anhaltende Problematik durch das stark verseuchte Wasser wurde inzwischen als „ernster Zwischenfall” eingestuft. Die Belastung beläuft sich den Angaben nach auf 1800 Millisievert pro Stunde – beim Menschen wirkt diese Strahlung nach vier Stunden tödlich. Da die Fische in den Gewässern um die Atomruine in den letzten beiden Jahren teilweise schon sehr hoch belastet und Grenzwerte deutlich überschritten waren, muss unbedingt schnell und vor allem wirksam reagiert werden.

20. August 2013: Dauerprobleme mit verseuchtem Wasser

Aus einem defekten Kühlwassertank tritt weiterhin radioaktiv belastetes Wasser aus. Die japanische Regierung geht davon aus, dass verseuchtes Wasser bereits seit zwei Jahren in den Pazifik fließt. Zwei bange Fragen zu dieser Dauerbelastung: Werden sich die radioaktiven Stoffe zukünftig in Fischen oder Algen anreichern? Wann kann der Betreiberkonzern Tepco das Leck endlich schließen?

19. Juni 2013: Verseuchtes Grundwasser beim zerstörten Atomkraftwerk

Vier Wochen vor der Wahl muss sich die japanische Regierung wieder um ein großes Problem in Fukushima kümmern: Das Grundwasser um den Reaktor ist mit dem hochgiftigen strahlenden Stoff Strontium-90 belastet – zudem wurden auch deutlich überhöhte Mengen des ebenfalls gefährlichen Stoffes Tritium gefunden. Wenn Strontium in den menschlichen Körper gelangt, können dadurch insbesondere Zellen in den Knochen verändert werden. Knochentumore und Leukämie können die Folge sein. Die Belastung soll in den letzten Monaten um mehr als das Hundertfache gestiegen sein und mehr als das 30-Fache des gesetzlichen Grenzwertes betragen. Es beteht die Gefahr, dass dieses Wasser in den Pazifik gelangt und das Strontium sich danach in der Nahrungskette, z.B. in Fischen, anreichert.

30. Januar 2013: Verstrahlter Fukushima-Fisch

Ein außergewöhnlich hoch belasteter Fisch, ein sogenannter Spotfelly Rockfisch, mit einer Belastung von 254.000 Bq (!) radioaktivem Cäsium ist im Hafenbereich vor dem AKW Fukushima gefangen worden. Zum Vergleich: Die bisherige Rekordbelastung bei anderen Fischen (Grünlinge) betrug 25.800 Bq, der zulässige Lebensmittelgrenzwert ist um das 2.540-fache überschritten worden. Derartig hoch belastete Fische dürfen auf keinen Fall verzehrt oder vermarktet werden.

14. Januar 2013: Aktuelle deutsche Lebensmitteluntersuchungen

Die Stichproben der Importanalysen zeigten zum Jahresende keine Auffälligkeiten. So waren bei deutschen Routineuntersuchungen japanische Sojabohnenpaste, getrocknete Nudeln, Mayonnaise, Meerrettichpulver, Sojasoße, Essig oder Hefeextrakt ohne nennenswerte Belastung.

18. Dezember 2012: Messwerte aus Japan und Deutschland

In Japan fallen immer wieder Fische auf, die bis zu hundertfach (!) über dem Grenzwert von 100 Becquerel belastet sind. Dazu gehören Gebirgsforellen aus der Stadt Minamisona (Fukushima) mit bis zu 11.400 Bq, Schwarzbarsche mit 4.400 Bq oder Welse (Iitate) mit bis zu 3.000 Bq. Diese Messergebnisse machen deutlich, wie stark die Umwelt in bestimmten Regionen immer noch belastet ist.

Bei Messungen in Deutschland blieben japanische Lebensmittel, z.B. Wasabipulver, Nudeln oder Würzsaucen, in den letzten Monaten unauffällig. Nur in den Blättern von grünem Tee wurden 49 Bq radioaktives Cäsium nachgewiesen.

23. Oktober 2012: EU-Importbeschränkungen teilweise gelockert

Für die Region Fukushima bleiben die Importbeschränkungen in die Europäische Union bis Ende März 2014 bestehen. Für die anderen elf Präfekturen sollen die die Beschränkungen ab 1. November 2012 gelockert werden. Diese Entscheidung fiel  nach der Beprobung von über 40 000 Lebensmitteln aus der diesjährigen Ernte - also der zweiten Erntesaison seit der Katastrophe. Zur Lockerung der Importbedingungen gehört:  Die Untersuchungshäufigkeit wird beispielsweise auf 5% (bisher 10%) aller Lebensmittel gesenkt. Es bleibt zu hoffen, dass die Lebensmittel weiterhin risikoorientiert beprobt werden und keine Schlupflöcher für gegebenenfalls kontaminierte Produkte entstehen.

Für das Herunterspielen der tatsächlichen Ausmaße der Katastrophe sind die Verantwortlichen in Japan in den letzten Wochen berechtigterweise stark gerügt worden. Hinzu kam: Eine internationale Studie fand schwerwiegende Mutationen bei mehreren Schmetterlingsarten. Die Schmetterlinge leiden bei mehreren Generationen an Veränderungen des Erbgutes, z.B. deformierte Augen oder überdimensionierte Flügel, die eindeutig auf eine überhöhte Belastung mit radioaktivem Cäsium zurückzuführen sind.

24. August 2012: Extrem hohe radioaktive Belastung in Fischen

Bei zwei vor der Küste gefangenen Fischen (Grünlinge) wurden extrem hohe Belastung an radioaktivem Caesium gemessen. Mit 25.800 Becquerel Cäsium pro Kilogramm überstieg der Wert den in Japan festgelegten Grenzwert um das 258fache. Die Fische wurden Anfang August in einer Entfernung bis 20 Kilometer von der Atomruine in 15 Metern Tiefe gefangen. Das Fischen vor der Küste der Provinz Fukushima unterliegt freiwilligen Beschränkungen, damit kein kontaminierter Fisch auf den Markt gelangt.

2. Juli 2012: Radioaktivität in Zusatzstoff E 405

In Österreich wurden bereits 2011 in dem Zusatzstoff Propylenglycolalginat (E 405), einem pflanzlichen Verdickungs- oder Geliermittel, eine geringe Radioaktivität ( 6,7 Bq radioaktives Cäsium) nachgewiesen. Dieses Verdickungsmittel kann z.B. in Milchprodukten, Backwaren oder Süßigkeiten vorkommen. Der Wert ist zwar unbedenklich, zeigt aber, dass mit radioaktiven Spuren überall gerechnet werden muss. Bei weiteren 23 Lebensmitteln, die 2011 nach Österreich importiert wurden, war keine Radioaktivität nachweisbar. Von 50 Pazifikfischproben enthielten zwei Spuren von Cäsium-137, die Gehalte betrugen weniger als ein Tausendstel des Grenzwertes.

31. Mai 2012: Radioaktivität in Thunfischen

In Thunfischen vor der US-Küste sind radioaktive Stoffe nachgewiesen worden. Die im August 2011 vor der kalifornischen Küste gefangenen Blauflossen-Thunfische, die von japanischen Gewässern aus an die amerikanische Küste wandern, waren deutlich stärker mit Cäsium 134 und Cäsium 137 belastet als Fische aus dem Jahr 2008. Die freigesetzte Radioaktivität von Fukushima, die ins Meer gespült wurde, reichert sich jetzt in den Fischen an. Glücklicherweise lagen die gemessenen Werte aber deutlich unter dem Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm Fisch.

15. Mai 2012: Grenzwerte für Lebensmittel gesenkt

Erfreulicherweise hat Japan zum 1. April schärfere Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel eingeführt. Die EU hat diese übernommen und wendet sie ab sofort auf Importware aus Japan an. Pro Kilogramm Lebensmittel dürfen maximal 100 Becquerel Cäsium vorkommen, zuvor war das Fünffache erlaubt.

Von der Grenzwertsenkung ausgenommen sind getrocknete Teeblätter, Reis und Sojabohnen und die Erzeugnisse davon. Hier gilt nach wie vor der alte Grenzwert von 500 Becquerel. Leider ist bei diesen wichtigen Grundnahrungsmitteln keine Anpassung erfolgt! Für einige alkoholische Getränke wie Sake, japanischer Whiskey oder Shochu, gelten diese neuen Werte ebenfalls nicht. Allerdings waren Alkoholika bisher auch nicht von erhöhten Werten betroffen, denn durch die Gärung oder Destillation wird Radioaktivität fast vollständig aus den Spirituosen ferngehalten. Auch für Lebensmittel aus anderen Regionen, z.B. aus der Region rund um Tschernobyl, gelten weiterhin die alten Werte von 600 Becquerel, um in der Europäischen Union in den Handel zu gelangen. Selbst in der Ukraine und in Weissrussland gelten strengere Grenzwerte als in der EU. Das „Grenzwert-Chaos” wird von den Verbraucherzentrale bemängelt; verbraucherfreundlicher wäre das Absenken aller gültigen Grenzwerte auf das neue Niveau für japanische Lebensmittel.   

12. März 2012: Grüner Tee belastet

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hat bis Ende Februar 2012 insgesamt 280 Lebensmittelproben aus Japan auf radioaktive Stoffe hin überprüft. Davon enthielten 12 radioaktives Cäsium, insbesondere grüner Tee, der in der Provinz Shizuoka angebaut wurde. Die Radioaktivität lag unter den bestehenden Grenzwerten.

5. März 2012: Unbelastete Fische in Deutschland und belastete in Japan

Die Mitgliedsunternehmen des Bundes­verbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischgroß­handels haben im Februar 27 Proben (Alaska-Seelachs, Wildlachs, Rogen von Wildlachs, Kabeljaufilet und Tintenfischtuben) aus den FAO-Fanggebieten 61 und 67 (Alaska, China, Russland und USA) untersucht. Alle waren unbelastet.

Bei Fischen vor Japans Küsten wurden durch Untersuchungen von mehr als 2.200 Proben immer wieder Grenzwertüberschreitungen (mehr als 500 Becquerel radioaktives Cäsium) festgestellt: 4 Prozent der Salzwasserfische (z.B. Flunder oder Grünling), 3 Prozent der Muscheln und Krabben, 15 Prozent der Algen (z.B. Wahme, Hijiki oder Arame) oder 10 Prozent der Süßwasserfische enthielten zu viel Radioaktivität. Diese Lebensmittel dürfen nicht verkauft werden. Es gibt in Japan jedoch viel zu wenig Messgeräte und kein einheitliches Zertifizierungsverfahren für diese Geräte, d.h. die Messungen sind mit großen Unsicherheiten verbunden.    

20. Februar 2012: Belastete Nudeln und Grüner Tee

Nach wie vor gibt es Rückstandsprobleme bei japanischen Lebensmitteln, aktuell konnte z.B. in einer örtlichen Nudel­spezialität Okinawa Soba 258 Becquerel Cäsium pro Kilogramm an radioaktivem Cäsium nachgewiesen werden. Die Nudeln wurden offensichtlich bei der Zubereitung durch Holzkohle aus der Präfektur Fukushima radioaktiv belastet. Es gelangen allerdings so gut wie keine belasteten Lebensmittel (Ausnahme: z.B. Grüner Tee) auf den Deutschen Markt. Trotzdem ist weiterhin Wachsamkeit angesagt, Behörden und Lebensmittel­firmen sollten die Untersuchungen auf jeden Fall weiterführen.

Die Untersuchungsergebnisse der japanischen Gesundheitsbehörde und weiterer Organisationen haben wir in einer Tabelle für Sie zusammengestellt.

12. Dezember 2011: Radioaktivität in Babynahrung

Es kommt immer schlimmer. Jetzt ist auch in der Babynahrung (Milchpulver) radioaktives Cäsium gefunden worden. Mit rund 31 Becquerel pro Kilogramm wird zwar der Grenzwert von 200 Becquerel pro Kilogramm nicht erreicht, doch viele Wissenschaftler fordern zu Recht, dass Babynahrung unbelastet bleiben muss. Die Säuglingsnahrung wurde vom Markt gezogen.

Auch die Atomkatastrophe von Tschernobyl wirft noch immer lange Schatten, selbst nach 25 Jahren werden noch immer Grenzwerte überschritten, insbesondere in Süddeutschland bei Pilzen und Wildfleisch. Die erschreckenden Ergebnissehaben wir in einer Tabelle zusammengefasst.

Die aktuellen Grenzwerte finden Sie in folgender Tabelle.

29. November 2011: Zuviel radioaktives Cäsium im Reis

Japanische Behörden haben den Verkauf von Reis aus Fukushima verboten, die Belastung lag mit 1270 bzw. 630 Becquerel deutlich über dem Grenzwert von 500 Becquerel. Nach wie vor werden auch in anderen Lebenmsitteln erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen. Die EU hat daher das Importverbot von Lebensmitteln bis zum 31. März 2012 verlängert, wenn diese den Grenzwert überschreiten. Inzwischen ist der Chef des zerstörten Kraftwerks von Fukushima aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, er ist an Speiseröhrenkrebs erkrankt.

21. November 2011: TV-Moderator an Leukämie erkrankt

Der Moderator Norikazu Otsuka wollte den Landwirten im Norden Japans helfen und verspeiste vor laufender Kamera Lebensmittel aus der Gegend um Fukushima, um deren Unbedenklichkeit zu beweisen. Jetzt ist er an Leukämie erkrankt. Es ist fraglich, ob diese Symptome unmittelbar auf dem Verzehr der belasteten Lebensmittel zurückzuführen sind. Ein kausaler Zusammenhang wird sich nicht eindeutig belegen lassen und ist eher unwahrscheinlich, aber er kann auch nicht völlig ausgeschlossen werden: Denn bereits  geringe Mengen an Radioaktivität können Schäden im Erbgut anrichten und bewirken, dass Zellen entarten. Erhöhte  Cäsium-Werte wurden aktuell wieder im Reis gemessen. 

2. November 2011: Fragwürdige PR-Aktion - Politiker trinkt Fukushima-Wasser

Die Raktoren sind immer noch nicht vollständig unter Kontrolle, offensichtlich findet zurzeit in einem Block wieder eine unkontrollierte Kernspaltung statt. Erhöhte radioaktive Werte sind offenbar nicht gemessen worden. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass ca. doppelt so viel radioaktives Cäsium in die Umwelt gelangt ist, wie die japanische Regierung gleich nach der Katastrophe  berechnet hatte. Ein Politiker machte durch ein skurriles Verhalten von sich reden. Er trank vor laufenden Kameras im japanischen Kabinettsbüro ein Glas dekontaminiertes Wasser, das aus einer Pfütze in Fukushima stammte. Welch eine billige PR-Aktion! Stattdessen wäre die Veröffentlichung der Messwerte von wirklichem Nutzen gewesen. Der Umgang der japanischen Regierung mit der Lebensmittelbelastung und dem gesundheitlichen Verbraucherschutz ist nach wie vor sehr leichtsinnig. 

10. Oktober 2011: Neue Lebensmittelkontrollen nach erhöhten Radioaktivitätswerten

Bei einer in der Nähe von Fukushima geernteten Probe Reis wurde eine Belastung von 500 Becquerel gemessen. Daraufhin hat die japanische Regierung weitere Kontrollen angeordnet. Zuvor waren 400 Proben gezogen worden, dabei lag der Höchstwert noch bei 136 Becquerel.

In Nameko-Pilzen aus der Stadt Soma, die 40 Kilometer nördlich von Fukushima liegt, wurde der Grenzwert von 500 Becquerel sogar um das Neunfache überschritten. Diese Pilze dürfen nun nicht mehr geerntet werden. 

Aufgrund der kürzlichen Funde von belastetem Grüntee und Algen, haben wir unsere Liste der Firmenreaktionennoch einmal überprüft und aktualisiert. Das werden wir auch weiterhin tun, so dass Verbraucher die Möglichkeit haben, sich über eventuell belastete Lebensmittel zeitnah zu informieren. Wir können diese Angaben nicht kontrollieren oder ihren den Wahrheitsgehalt überprüfen, trotzdem möchten wir sie Ihnen nicht vorenthalten.

14. September 2011: Europäische Union will japanische Lebensmittel bis Jahresende kontrollieren

Die Europäische Union wird mindestens bis zum Jahresende an den Kontrollen für japanische Lebensmittel aus 13 Präfekturen festhalten. Das heißt weiterhin: Diese Lebensmittel  dürfen nur dann importiert werden, wenn Zertifikate aus Japan belegen, dass keine erhöhte Strahlenbelastung vorliegt. Darüber hinaus wird ein Teil dieser Sendungen aus Japan auch in der EU stichprobenartig kontrolliert. Nach Jahresende soll monatlich entschieden werden, ob die Schutzmaßnahmen weiterhin notwendig sind. Aus Sicht der Verbraucherzentrale sind diese Maßnahmen unbedingt erforderlich - auch noch viele Jahre nach der Katastrophe, denn radioaktive Stoffe lagern sich sehr langfristig in Lebenmsitteln an.

29. August 2011: Verkauf und Transport von Rindfleisch aus Fukushima, Tochigi und Iwate wieder erlaubt

Der Verkauf und der Transport von Rindfleisch in den japanischen Präfekturen Fukushima, Tochigi und Iwate ist seit dem 19. August wieder erlaubt worden. In den betroffenen Regionen werden weiterhin stichprobenartige Untersuchungen durchgeführt, z.B. eine Kuh pro Betrieb und Quartal, schwerpunktmäßig in den Schlachthöfen. Zum Hintergrund: Das kontaminierte Fleisch von rund 1500 Tieren war vorher landesweit in den Handel gekommen. Die Aufhebung des Verkaufsverbot ist kaum verständlich, zumal die Kontrolldichte auf grund der geringen Probenzahl sehr niedrig ist.

 9. August 2011: Kritik an Informationspolitik der japanischen Regierung

In H amburg wurden seit Mai diesen Jahres 65 Lebensmittel aus Japan kontrolliert (Tee, Sojaprodukte und Meeresprodukte), diese waren nicht radioaktiv belastet. Dagegen hat der japanische Außenminister angeordnet, dass seine Botschaften und diplomatische Vertretungnen im Ausland nicht mehr sagen dürfen, dass die Produkte sicher seien. Die  Glaubwürdigkeit der japanischen Informationspolitik wurde von vielen Akteuren in Frage gestellt. Die behördlichen Organisationen wurden angewiesen, auf die Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen hinzuweisen. Diese scheinen auch dringend nötig, denn in den Reaktorruinen sind wieder sehr hohe Radioaktivitätswerte nachgewiesen worden. Die japansiche Bevölkerung versucht sich zurzeit mit Reis aus der alten Ernte einzudecken. Weitere Einschränkungen: Der weitere Verkauf und Transport von Rindfleisch aus weiteren Präfekturen (seit dem 28. Juli aus Miyagi, seit dem 1. August aus Iwate und seit dem 2. August aus Tochigi) wurde verboten.

26. Juli 2011: Verkauf und Transport von Rindfleisch aus Fukushima gestoppt

Verkauf und Transport von Rindfleisch aus Fukushima sind gestoppt worden! Mehr als 1349 Kühe hatten kontaminiertes Reisstroh bzw.Heu gefressen, das Fleisch einer Stichprobe war deutlich über dem Grenzwert belastet, im Schnitt mit 1750 Becquerel radioaktivem Cäsium (Grenzwert: 500 Becquerel). Zukünftig soll der Urin von Kühen auf Radioaktivität getestet werden, zusätzlich bekommen die belasteten Kühe Futtermittel aus den westlichen, weniger belasteten Regionen Japans, damit sie weniger radioaktive Stoffe aufnehmen.  Das Fleisch wurde im gesamten Land verzehrt, die Regierung versprach verstärkte Messungen, bisher fehle allerdings das Personal dafür. Unser Kommentar: Eine bessere Lebensmittelkontrolle ist aus Verbrauchersicht unerläßlich!

Auch der Vertrieb von Shiitake Pilzen aus Gewächshäusern in Date-Shi und Motomiya-shi wurde am 19. Juli verboten.

Weltweite Importbeschränkungen, die für japanische Lebensmittel gelten, haben wir in dieser Tabelle für Sie zusammen gefasst.

15. Juni 2011: Erhöhte Cäsium-Werte im Tokioter Trinkwasser

Im Trinkwasser von Tokio wird seit einiger Zeit radioaktives Cäsium-137 nachgewiesen, die Werte waren mit 0,21 Becquerel (April) und 0,14 Becquerel (Juni) zwar sehr gering, aber trotzdem ist jede zusätzliche Belastung problematisch. So konnte bei 10 japanischen Kleinkindern bereits Radioaktivität im Urin nachgewiesen werden. Die besonders strahlenempfindlichen Kleinkinder werden offenbar mit kontaminierter Nahrung oder Trinkwasser belastet. In einer weiteren Präfektur (Gunma) ist der Verkauf von grünem Tee von dem japanischen Gesundheitsministerium verboten worden.

3. Juni 2011: Grüner Tee aus vier japanischen Präfekturen zurückgerufen

Das japanische Gesundheitsministerium hat laut Kyodo News Grünen Tee aus vier Präfekturen verboten und bereits ausgelieferte Bestände zurückgerufen. Es handelt sich dabei um Teile der Regionen Tochigi, Chiba und Kanawaga sowie aus der gesamten Ibaraki-Präfektur. In Kanawaga waren bereits Anfang Mai 570 Becquerel radioaktives Cäsium pro Kilogramm Tee gefunden worden. Der Grenzwert liegt bei 500 Becquerel.

1. Juni 2011: Weitere Kontrollen für die Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan

Zehn Wochen sind bereits seit dem schweren Erdbeben und der Reaktorkatastrophe in Fukushima vergangen. Aus der Ruine tritt jedoch immer noch Radioaktivität aus. Wann die Lage unter Kontrolle gebracht werden kann, ist derzeit noch unklar. Nun haben sich die Mitgliedstaaten der EU darauf geeinigt, die Kontrollen für die Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan bis zum 30. September 2011 zu verlängern. Danach soll die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen erneut überprüft werden. Die neue Verordnung trat am 25. Mai 2011 EU-weit in Kraft. Aufgrund eines Fundes von radioaktiv belasteten Teeblättern in der Präfektur Kanagawa hat die EU ihre Schutzmaßnahmen auf diese Region ausgeweitet. Sämtliche Lebensmittel aus nun 13 Präfekturen müssen untersucht werden, bevor sie für den Export in die EU-Länder zugelassen werden.

Alle Lieferungen aus Japan werden weiterhin vorbeugend aus Gründen des Verbraucherschutzes an den Außenkontrollstellen der EU angehalten und überprüft. Waren aus den betroffenen Regionen dürfen nur dann eingeführt werden, wenn ein Untersuchungsbericht aus dem Herkunftsland Japan bescheinigt, dass keine erhöhte radioaktive Belastung vorliegt. Zusätzlich werden Stichproben zur weiteren analytischen Kontrolle in der EU gezogen.

In Deutschland ist bei amtlichen Kontrollen von Lebensmittelimporten aus Japan bislang keine erhöhte Strahlenbelastung festgestellt worden.

28. April 2011: Wie schädlich ist radioaktive Strahlung?

Inzwischen stuft auch die Weltgesundheitsorganisation die radioaktive Belastung in Japans Lebensmitteln als sehr ernstes gesundheitliches Problem ein. Ionisierende Strahlung kann die Bausteine von Zellen und insbesondere die Erbsubstanz (DNS) verändern oder zerstören. Der Körper besitzt zwar die Fähigkeit, geschädigte Zellen zu erkennen und zu reparieren, je nach Intensität der Strahlung können jedoch Schäden zurückbleiben. Besonders gefährlich ist das radioaktive Cäsium. Es reichert sich in der Nahrungskette an und gelangt z. B. auch in alle Nahrungsmittel, die auf kontaminierten Böden angebaut werden. Radioaktivität in Lebensmitteln wird in Becquerel gemessen. Ein Becquerel (Bq) bedeutet, dass in dem jeweiligen Produkt ein Atomkern pro Sekunde zerfällt. Je höher der Becquerel-Wert, umso höher die Strahlung, die im schlimmsten Fall krebserregend wirkt

Es gibt keinen Schwellenwert, ab dem die Strahlung gefährlich wird. Das Strahlenschutzvorsorgegesetz legt fest, dass die Strahlenexposition der Menschen und die radioaktive Kontamination der Umwelt „... so gering wie möglich zu halten...” sind. Kinder, Schwangere oder Menschen mit eingeschränktem Immunsystem sind besonders gefährdet.

Zum Vergleich: Wir haben Belastungssituationen gegenübergestellt.

8. April 2011: Europäische Kommission legt strengere Grenzwerte fest

Nachdem die Europäische Kommission die Grenzwerte nach der Reaktorkatastrophe auf unverantwortliche Weise herauf gesetzt hatte, sind diese seit dem 8. April 2011 wieder gesenkt worden. Genauso wie in Japan gilt für Cäsium ein Grenzwert für Milch und Milchprodukte von 200 Becquerel pro Kilogramm (zuvor 1000), für andere Lebensmittel 500 Becquerel pro Kilogramm (zuvor 1250) und für Getränke 200 Becquerel pro Kilogramm (zuvor 1000). Diese Tabelle stellt alle aktuell gültigen Werte gegenüber.

Weiterhin werden alle Lieferungen aus Japan an den Grenzen gesondert überprüft. Die Ankunft muss zwei Tage zuvor angemeldet werden. Waren aus den betroffenen Regionen muss ein Zertifikat beigefügt werden, dass bescheinigt, dass keine erhöhte Belastung vorliegt. 10 Prozent dieser Zertifikate werden nachkontrolliert. Bei den Kontrollaktionen sollten gerade auch die Herkunftsangaben einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

6. April 2011: Warum sind kontaminierte Lebensmittel so gefährlich?

Das radioaktive Cäsium wird vom Körper mit Kalium verwechselt und teilweise in den Körper eingelagert. Dadurch findet eine langfristige radioaktive Belastung statt. Die Halbswertszeit beträgt 30 Jahre. Radioaktiv belastete Lebensmittel bergen deshalb über lange Zeit ein großes Gefährdungspotentzial und müssen ständig überwacht werden.

Lebensmittel, die aufgrund der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl noch immer höher belastet sind, zeigt diese Übersicht.

Wie hoch war die Lebensmittelbelastung nach Tschernobyl? Hier finden Sie Vergleichswerte nach dieser atomaren Katastrophe.

5. April 2011: Welche Lebensmittel könnten zukünftig belastet sein?

Nach dem Erdbeben zogen radioaktive Wolken hauptsächlich über Japan und über den Pazifik. Kontaminiertes Wasser aus den Reaktorruinen wurde von der Betreiberfirma Tepco ins Meer gepumpt. Daher könnten Fische, Algen oder Meeresfrüchte belastet sein. Die Herkunft von Fischen – frisch, tiefgefroren oder geräuchert – wird auf den Verpackungen und an der Theke mit dem Fanggebiet gekennzeichnet werden. Der Nordwestpazifik grenzt an Japan und ist nach den Vorgaben der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) das Fanggebiet 61. Auch die Beringsee bei Russland gehört zu diesem Fanggebiet. Hier werden vor allem Alaska-Seelachs (daraus werden Fischstäbchen hergestellt), Wildlachs, Seeteufel, pazifische Scholle oder pazifische Kabeljau gefangen:www.fischinfo.de.

Der Nordostpazifik – Fanggebiet 67 - westlich der USA (Golf von Alaska und Beringsee) könnte zukünftig ebenfalls betroffen sein. Weitere Aussagen zur Radioaktivität in Lebensmitteln hängen von Verdünnungseffekten, der Windrichtung und der weiteren Wetterlage (z. B. Regengebiete) vor Ort ab.

Wir fordern

  • Schaffung von Transparenz, d. h. Nennung der belasteten Produkte inklusive Namen und Hersteller.

  • Fortführung der Untersuchungen für mindestens zehn Jahre, insbesondere in den Fanggebieten 61 und 67

Stand vom Mittwoch, 4. Dezember 2013

Quelle: © Verbraucherzentrale Hamburg e.V.